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Reisebericht Teil 2: Samstag, 29.12.: [km 4081] Agadez Nach der anstrengenden Wüstenetappe gönnen wir uns einen geruhsamen Tag in Agadez und treiben uns auf dessen bunten und lebhaften Märkten herum. Sonntag, 30.12.: [km 4097] Agadez Nähe Birni-Nkonni Weiter geht's Richtung nigerianische Grenze, entlang derer geschmuggelter Sprit in Flaschen angeboten wird. Abends suchen wir uns einen Lagerplatz wir bei einem kleinen Dorf. Der Chef de village hat nichts dagegen und wenig später hat sich die ganze Dorfjugend bei uns versammelt. Zum Glück finden sie unser Dosenfutter ganz abscheulich und wir haben eine Sorge wie wir diese vielen Münder sattkriegen sollen weniger. Montag, 31.12.2001: [km 4715] Nähe Birni-Nkonni - Niamey Kurz vor Niamey wird die Aspahltstraße ganz furchtbar schlecht und zwingt uns ins Gelände. Da kommt es gerade recht, dass es hier die letzten Giraffen Westafrikas zu bestaunen gibt. Abends feiern wir Sylvester in Niamey bei Hühnchen mit Pommes. Wir staunten ebenso, wie ausgemergelt ein Hühnchen sein kann, wie die Afrikaner, die wohl noch nie Europäer gesehen hatten, die sich ein gutes neues Jahr wünschen. Dienstag, 01.01.2002: [km 5130] Niamey nigr./malische Grenze nahe Ayorou Natürlich sind wir ausgerechnet an Neujahr in der Hauptstadt und brauchen Geld. Nur, den Franc gibt es nicht mehr, den Euro noch nicht. Mit Mühe gelingt es uns, unsere restlichen Dollar zu tauschen. Bei solchen Dingen macht sich bei manchem Mitfahrer der langerwartete Reisekoller bemerkbar. Später brechen wir auf Richtung Gao. Die Landschaft am Nigerfluß ist ein Traum. Bei Dämmerung erreichen wir Ayorou und dürfen nicht weiter, wegen der Banditen. Zu unserer Sicherheit müssen wir unsere Autos auf dem kleinen Platz vor der Polizeistation etwa sechsmal umrangieren. Naja, wenns hilft. Mittwoch, 02.01.: [km 5351] nigr./malische Grenze nahe Ayorou - Gao Die Einreise nach Mali verläuft problemlos. Es gibt einen Fragebogen über die Behandlung der Touristen an der Grenze, den wir allerdings vorher ausfüllen müssen. Er fiel nicht so schlecht aus. Gao empfängt uns weniger freundlich. Der Zöllner am Ortseingang macht uns deutlich, dass eine gewisse Bestechung einfach sein muß. Wir lehnen dankend ab und er verspricht uns, dass wir ihn anderntags wiedersehen werden. Donnerstag, 03.01.: [km 5577] Gao - Douentza Mit einem unguten Gefühl setzten wir uns auf den Hof der Polizeiwache. Björn hatte einen Reisebericht gelesen, in dem von einem Autoschieber berichtet wird, der eine Woche dort eingesperrt war. Sehr beruhigend. Um so mehr freuten wir uns über die vue-au-passage-Stempel in unseren Pässen. Der Asphalt hat uns wieder. Wir passieren die beeindruckenden Berge von Hombori. In Hombori wird gerade ein neues Campement gebaut, der engagierte Besitzer zeigt uns stolz die Baustelle und wir finden, dass das ganze sehr vielversprechend aussieht. Abends finden wir in Douentza ein schönes Campement. Wir dürfen auf der Dachterasse des Hauptgebäudes schlafen, mit herrlichem Sonneuntergang. Es zeigt sich, dass Fleischtortellini nicht das richtige sind, jedenfalls hatten sie Neubi und Yvonne nicht gutgetan. Freitag, 04.01.: [km 5985] Douentza Mopti/Sevare In Mopti finden wir keine vernünftige Unterkunft und so quartieren wir uns in Sevare ein. Den Tag verbringen wir dann doch in Mopti, besichtigen den Hafen und den Markt. Ein Malinese mit kölner Akzent vermittelt uns eine Hafenrundfahrt mit Besichtigung eines Fischerdorfes auf der Piroge seines Cousins. Samstag, 05.01.: [km 6190] Mopti/Sevare - San In Sevare verkaufen wir das erste Auto. Ausgerechnet Neubi erhält den Zuschlag und hier erfahren wir auch, dass der Käufer nicht der Käufer ist, sondern eine 5%ige Provision vom Kaufpreis bekommt, vom Verkäufer natürlich. Neubi ist stinksauer, weil man uns das verschwiegen hatte. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, nach Djenneh überzusetzen, um die berühmte Lehmmoschee zu besichtigen. Wenigstens von außen. Rein darf man als "non muselman" ja nicht mehr, seit irgendeine Modeagentur meinte, dort Nacktaufnahmen von schwarzen Schönheiten machen zu müssen. Ein pfiffiger Junge weißt uns in San den Weg zu einer Unterkunft, die früher sicher mal sehr schön war. Trotzdem machen wir es uns dort auf dem Hof zwischen Bananenstauden gemütlich und feiern in Christophs Geburtstag hinein. Sonntag, 06.01.: [km 6441] San Bamako Heute wollen wir nach Bamako. Dumm, dass Björn mitten auf einer Nigerbrücke anhielt um Fotos zu machen. Das bringt uns nämlich Ärger mit dem Polizisten, der den Verkehr auf der Brücke überwacht und den wir leider übersehen hatten, ein. Die ursprünglich festgesetzte Buse von 10000CFA pro Nase, also auch für die Mitfahrer, ist uns dann doch zuviel und so wird bis zur Mitagszeit diskutiert und nach möglichen "Arrangements" gesucht. Plötzlich taucht ein Mädchen mit einer Riesenschüssel Fisch und Reis auf. Natürlich sind wir eingeladen und die Polizisten amüsieren sich über uns Europäer, die noch nicht mal vernünftig mit den Händen essen können. Eine zweite Schüssel mit Fleisch und Erdnusssoße muß auch noch leer gegessen werden. Drei Gläser Tee und eine unsererseits beigesteuerte Tasse Kaffee runden das Mahl ab. Von einer Buße ist nun nicht mehr die Rede, vielmehr sollen wir eine Ansichtskarte aus Deutschland schreiben und nächstes Jahr wiederkommen. C'est l'afrique. Bamako empfängt uns mit einer rauch- und staubgeschwängerten Luft, in der wir glauben zu ersticken. Christoph vermutet den Tag des brennenden Autoreifens. Im Hotel Les Arbres können wir im Hof campen. Eine Stunde später ist Peters Auto verkauft, es soll anderntags abgeholt werden. Montag, 07.01.: [km 6880] Bamako Erstmal geht es zur deutschen Botschaft, wo wir die Autos abmelden. Wieder einmal setzt sich die Erkenntnis durch, dass die deutsche Bürokratie vielleicht gründlicher, aber gewiss nicht schneller ist, als die afrikanische. Peters Auto wird abgeholt, aber sonst tauchen keine Interessenten mehr auf. So langsam werden Björn, Chistoph und Marco nervös, schließlich will ein Teil von uns doch am Mitwoch mit dem Flieger zurück nach Deutschland, der Rest mit dem Zug weiter nach Dakar. Am Abend treffen wir vor dem Hotel de l'Amitié Bouctou kennen, der uns Hoffnungen macht, bald einen Händler zu finden. Dienstag, 08.01.: [km 7000] Bamako Am Morgen fahren wir zu zwei Händlern und der zweite erbarmt sich unserer braven Autos. Am späten Nachmittag ist das Werk vollbracht und wir kehren ziemlich relaxed ins Hotel Les Arbres zurück. Mittwoch, 09.01. Bamako Neubi, Yvonne, Christoph, Marco und Björn steigen in den Zug nach Dakar. Björn sitzt in der zweiten Klasse, weil er sein Ticket erst am Morgen gekauft hatte. Der Rest steigt abends ins Flugzeug, Afrique adieu. Donnerstag, 10.01. Die Zugfahrt ist zermürbend, schlechte Gleise schütteln uns durch, manchmal hält der Zug stundenlang. Björn kauft in Kayes am Bahnhof für Neubi Zigaretten, der daraufhin bis zum heutigen Tag! das Rauchen aufgibt. Spannend wird es noch einmal, als der Zug bei einer Pause unvermittelt losfährt, als Björn grad beim Pinkeln ist. Jetzt aber schnell in den Zug, aber das wollen ca. 30 andere an der letzten Tür auch und kommen nicht rein, Panik, Mütter reichen ihre Kinder durch die Fenster, alles schreit und rennt neben dem schneller werdenden Zug her. Björn beschließt, lieber einen halben Tag auf dem Trittbrett einer verschossenen Tür zu verbringen, als im malinesischen Busch zurückzubleiben. Nach einer langen halben Stunde wird von innen die Tür geöffnet. Was wohl mit den Passagieren passiert ist, die es nicht geschafft haben? Freitag, 11.01. Um vier Uhr erreichen, nach 52 Stunden Fahrt ziemlich gerädert, wir Dakar, es regnet und das im Januar. Weil wir nicht so recht wissen, wohin um diese Zeit, beschließen wir, im warmen Zug zu bleiben. Der dann plötzlich ins Depot fährt. Panisch packen wir unsere Sachen und springen aus dem Zug. Wir laufen zum Büro des PSACD, wo Björn und Neubi ihre Diplomarbeit geschrieben hatten. Felix der Nachtwächter freut sich über das Wiedersehen genauso wie die équipe des PSACD. Mittags gehen wir gleich ins Reisebüro, um einen Rückflug zu buchen. Da am Sonntag die Paris-Dakar Rally ankommen wird, ist natürlich alles ausgebucht und wir werden erst am folgenden Freitag heimfliegen. Na, da genießen wir eben eine Woche Dakar. Samstag, 12.01. Den Samstag verbummeln wir am Strand bei den Mamelles und am Point des Almadies, dem westlichsten Punkt Afrikas. Sonntag, 13.01. Heute kommt am Lac Rose die Paris-Dakar an. Das lassen wir uns nicht entgehen. Jutta Kleinschmitt kann den Sieg allerdings nicht mehr erringen, aber das macht nix, sie fährt furios an uns vorüber! Abends bekommt Christoph Fieber, was etwas berunruhigt. Montag, 14.01. Yvonne, Marco ud Björn brauchen 2,5 Stunden, um ein paar Reisecheques einzutauschen, obwohl die Schlange ganz kurz ist. Hier erfahren wir, daß die FF-Cheques nur noch heute angenommen werden, was für ein Glück. Christophs Fieberist auf über 39°C gestiegen und wir machen uns auf ins Krankenhaus Pasteur. Der Taxifahrer bringt uns erst ins Hôpital Madeleine, aber wir wollen ins Pasteur, weil uns das empfohlen wurde. Dort wollte der Wachmann erstmal ein "Eintrittsgeld", das wir aber laut protestierend ablehnen. Der Doktor wird gerufen und eine blutübertrömte Schwester bittet Christoph sich auf eine dreckige Liege zu legen. Das war zuviel, Christoph fährt wie ein Pfeil aus und an Doktor, blutüberstömter Schwester und Wachmann vorbei springen wir aus der Klinik, ab ins Taxi und ab ins - Madeleine! Eine sehr schöne private Klinik, die man nur empfehlen kann, wenn man mal was hat, in Dakar. Der Arzt dort meint angesichts Christophs Hautfarbe belustigt, es sei wohl ein Sonnenstich, aber am andern Tag möchte er doch noch einen Malariatest machen. Dienstag, 15.01. Christophs Malariatest ist negativ, Marco und Björn verziehen sich an den Strand, Neubi und Yvonne ab in die Stadt. Sonst gibts nicht viel zu berichten, vielleicht, daß der immer noch siechende Christoph eine Maus in seinem Bett hatte. Fieberwahn? Mittwoch 16.01. Heute gehts ab nach Gorée. Diese Insel war der erste europäische Stützpunkt vor der afrikanischen Küste. Von dort aus sollen sehr viele Sklaven nach Amerika abtransportiert worden sein. Belegt ist das nicht, aber das ist ja auch egal. Jedenfalls bietet die Insel mit ihren alten Häusern aus der Kolonialzeit und den netten kleinen Restaurants genau das, was man in Dakr oft vermißt: Ruhe und Frieden! Donnerstag, 17.01. Morgens treiben wir uns auf dem Sandaga Markt rum, weil wir noch einkaufen wollen: Casetten und Djembes, westafrikanische Trommeln. Der Trommelpreis ist stark gestiegen und so beschließen wir, dorthin zu fahren, wo die Dinger hergestellt werden. das hat den Vorteil, daß man da seine Trommel nach persönlichem Geschmack zusammenstellen kann, wirklich billig sind die auch nicht. Andererseits kommt das Geld wenigstens dort an, wo produziert wird. Und das ist ganz schön hart: Junge Burschen hauen den Trommelfuß aus illegal eingschlagegen Edelholzstämmen mit so einer Art Beil aus dem vollen, auch der Rest ist alles reine Handarbeit. Abends ist ein Konzert im wiedereröffneten CCF (Centre Culturel Francais). "Häßliche Vögel" (Zitat Rolf-peter Owsianowski) kreisen und scheißen über unseren Köpfen. Und hier trifft Björn seinen Freund Rolando wieder, der gerade zufällig in Dakar ist. Das wird ein langer Abend im "Champs Elisée". Freitag, 18.01. Heute werden die letzten Einkäufe erledigt. Im GTZ-Büro essen wir gemeinsam mit der équipe zum Abschied nochmals Thiebou Thienne, Fisch mit Reis. Am Abend geht es dann ab zum Flufhafen, und auch für uns heißt es "Afrique Adieu", bis bald.... Samstag, 19.01. Paris-Paderborn (Christoph) / Hannover (Marco) / Stuttgart (Yvonne und Neubi) / Tübingen (Björn) Paris empfängt und morgens um 5 mit Kälte und Regen. Fluchend und schimpfend stehen wir vor dem S-Bahn Automat, der unsere 500FF Scheine nicht nehmen will. Ach ja, in Europa gabs ja ne Währungsumstellung. Ein Taxigfahrer bringt uns zum Bahnhof, er staunt nicht schlecht über unsere noch ganz frischen Verhandlungskünste. Hier trenne sich die Wege wieder einmal, Christoph und Marco müssen zum Gare du Nord, während Björn Neubi und Yvonne zum Gare de l'Este müssen. Am Gare de l'Este versuchen wir durch einzelnes bestellen von Café au Lait unsere 500FF Scheine in Euros zu tauschen, aber das will nicht gelingen, wir fliegen hochkant raus. Neubi ist stinkesauer, doch der Erfolg ist blos der, daß der zwar mit 500FF bezahlen kann, aber lauter FF Kleingeld zurückkriegt und Björns zunächst geschenkten Café auch noch bezahlen muß. Etwas bedeppert sitzen wir schließlich im Orient-Express von Paris nach Stuttgart, Björn später noch im Interregio nach Tübingen. Eigentlich eine ziemlich unwürdige Art der Fortbewegung für kühne Afrikareisende... Björn |